Die ersten Takte in der Tonhalle Zürich beeindruckten mich: Es war ein unglaublicher Klang, als würde der Pianist mehrere Instrumente spielen und nicht nur ein einziges Klavier. Doch nach wenigen Minuten veränderte sich der Klang und wurde bereits uninteressant; die Ohren hörten passiv weiter, ohne große Begeisterung. Dann begann völliges Chaos. Es entstand der Eindruck, dass dieses Konzert für den Pianisten nur eines von vielen Konzerten seiner Tournee war, das möglichst schnell gespielt werden musste, um die Bühne wieder zu verlassen. Deshalb kam er rasch auf die Bühne, verbeugte sich hastig, begann zu spielen, ohne das Ende des Applauses abzuwarten, und verbeugte sich anschließend, ohne die Hände wirklich vom Klavier zu nehmen, bevor er schnell hinter die Bühne ging. So geschah es nach jedem gespielten Stück. Als Zugabe spielte er zwei Stücke, eines davon Tschaikowskys „Süßer Traum“, das automatisch und ohne jede emotionale Beteiligung gespielt wurde.
Ein paar Tage nach dem Konzert stieß ich in einer Playlist, die automatisch auf meinem Gerät lief, auf genau dasselbe Stück, und es war eine völlig identische Interpretation. Natürlich war es eine Aufnahme von D. Trifonov, die sich überhaupt nicht von der Aufführung im Konzert unterschied. Eine solche Konstanz des Spiels mag zur automatischen Erfüllung seiner Aufgaben auf der Bühne beitragen, aber ist das musikalischer und künstlerischer emotionaler Ausdruck? Hier muss man fragen: Warum geht das Publikum in Live-Konzerte? Genau um eine einzigartige, unwiederholbare Aufführung zu hören, die nicht dem gleicht, was man zu Hause aus Lautsprechern hören kann, wenn man eine Aufnahme einschaltet...