Bei dem Konzert, das ich besuchte, spielten Pianistinnen und Pianisten, die in verschiedenen Ländern an dieser Arbeit beteiligt sind, unterschiedliche Stücke. Dennoch blieben bei mir viele Fragen zur Qualität der Aufführung, zum Vorbereitungsniveau und zum Respekt gegenüber dem Publikum zurück, wenn Musik auf diese Weise präsentiert wird.
Vielleicht ist dieses Niveau in den Umgebungen, in denen sie normalerweise auftreten, akzeptabel, und der Kontext selbst spielt dort eine andere Rolle. Amateurmusik und professionelle Arbeit werden nicht gleich beurteilt. Aber wenn ein Künstler auf einer zentralen Konzertbühne in einer Stadt erscheint, wo mit grosser Wahrscheinlichkeit auch professionelle Musiker im Publikum sitzen, sollte dann nicht ein anderer Massstab an Vorbereitung gelten?
Oder haben Musiker das Recht, auf dem Niveau aufzutreten, das sie erreicht haben, wobei alle Formen künstlerischen Ausdrucks gleichermassen gültig sind? Es ist dieselbe Frage, auf die ich mit meinen Schülerinnen und Schülern im Klavierunterricht in Zug immer wieder zurückkomme: Was heisst es eigentlich, bereit zu sein, für andere zu spielen?