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Haben Musiker das Recht, auf niedrigem Niveau aufzutreten?

Aufführung

Haben Musiker das Recht, auf niedrigem Niveau aufzutreten?

5. Mai 2026

Kürzlich besuchte ich ein Konzert, das bei mir gemischte Gefühle hinterliess. Es wurde von einer Organisation veranstaltet, die Musik an Orte bringt, an denen der Zugang zu kulturellen Ereignissen begrenzt ist: Gefängnisse, Pflegeheime und abgelegene ländliche Gemeinden. Ausserdem widmet sie sich Bildungsarbeit und bietet Unterricht in isolierten Regionen und kleineren Städten an. Solche Organisationen gibt es in der Schweiz, Italien, Spanien, Rumänien... Meiner Meinung nach ist das eine wunderbare Initiative.

Aufführung Performance standards Concert life Music education

Bei dem Konzert, das ich besuchte, spielten Pianistinnen und Pianisten, die in verschiedenen Ländern an dieser Arbeit beteiligt sind, unterschiedliche Stücke. Dennoch blieben bei mir viele Fragen zur Qualität der Aufführung, zum Vorbereitungsniveau und zum Respekt gegenüber dem Publikum zurück, wenn Musik auf diese Weise präsentiert wird.

Vielleicht ist dieses Niveau in den Umgebungen, in denen sie normalerweise auftreten, akzeptabel, und der Kontext selbst spielt dort eine andere Rolle. Amateurmusik und professionelle Arbeit werden nicht gleich beurteilt. Aber wenn ein Künstler auf einer zentralen Konzertbühne in einer Stadt erscheint, wo mit grosser Wahrscheinlichkeit auch professionelle Musiker im Publikum sitzen, sollte dann nicht ein anderer Massstab an Vorbereitung gelten?

Oder haben Musiker das Recht, auf dem Niveau aufzutreten, das sie erreicht haben, wobei alle Formen künstlerischen Ausdrucks gleichermassen gültig sind? Es ist dieselbe Frage, auf die ich mit meinen Schülerinnen und Schülern im Klavierunterricht in Zug immer wieder zurückkomme: Was heisst es eigentlich, bereit zu sein, für andere zu spielen?

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