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Hinter der Musik · 4. Dezember 2025

«Die Nacht vor Weihnachten»

Im Dezember 2025 brachte die Bayerische Staatsoper in München Nikolai Rimski-Korsakows Oper «Die Nacht vor Weihnachten» nach Nikolai Gogol auf die Bühne. Einen Monat vor der Aufführung gab es keine Sitzplätze mehr, also musste ich nehmen, was übrig blieb: Stehplätze. Neben mir standen nicht nur Studierende, sondern auch ältere Frauen und Männer mit teuren Uhren und Anzügen.

Hinter der Musik

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«Die Nacht vor Weihnachten» wurde von Gogol zu einem ukrainischen Thema geschrieben und zeigt die Vorbereitungen und Feier von Weihnachten mit allen Traditionen des Koliadky-Singens, Verkleidens, Besuchens der Nachbarhäuser mit guten Wünschen und volkstümlichen Festlichkeiten. In der Münchner Regieinterpretation blieb jedoch fast keine Spur der ukrainischen Kultur, abgesehen von ursprünglichen Wörtern ukrainischer Herkunft im Libretto und Weihnachtsliedern, die zu Rimski-Korsakows Musik ins Russische übersetzt wurden.

Das Erste, was ins Auge fällt, sind Bühnenbild und Kostüme. Zweistöckige Metallkonstruktionen mit Leitern rahmen die Bühne ein. Die Kleidung des Chors erinnert eher an sowjetische Alltagskleidung gewöhnlicher Menschen. Die Solisten waren in Clownskostüme gekleidet, mit Schminke im Gesicht, vermutlich um den komischen Aspekt der Figuren zu betonen. Sogar die junge Sängerin, die durchaus attraktiv ist, trug ein wenig ansprechendes Kleid. In dieser Darstellung ist der ukrainische kulturelle Kontext kaum erkennbar. Unter den Stimmen fielen der Bass Dmitry Ulyanov in der Rolle des Chub und die Sopranistin Elena Tsalagova in der Rolle der Oksana auf.

Am meisten verstörte mich der Beginn des zweiten Aktes, in dem die Tänzer des Balletts stilisierte nahöstliche Tänze in Kostümen arabischer Konkubinen aufführten. Später erschienen dieselben Tänzer mit Kronen und Tutus anstelle der ukrainischen Kosaken, die eigentlich eine Audienz bei der Kaiserin haben sollten. Die Kosaken wurden durch bärtige Männer in Frauenkleidung ersetzt, die unter dem Kleid Katharinas II. tanzten; sie schwebt von der Decke auf einem von zwei Adlern getragenen Thron herab, deutlich als Symbol des Russischen Reiches hervorgehoben. Danach verdrehten die Balletttänzer ihre Beine samt Stiefeln bis zu den Knien. Die Handlung über Vakulas Begegnung mit dem Teufel und ihre anschließende Reise nach Sankt Petersburg wurde vollständig ausgelassen.

Man kann feststellen, dass in Deutschland Opern russischer Komponisten, angeblich zu ukrainischen Themen, erfolgreich inszeniert werden und die Karten unmöglich zu bekommen sind. Jegliche Hinweise auf die ukrainische Herkunft der Figuren werden entfernt, die Rollen werden überwiegend von russischen Sängerinnen und Sängern übernommen, und stattdessen werden enorme Symbole des Russischen Reiches hinzugefügt. Dadurch hinterlässt die Aufführung weniger einen künstlerischen Eindruck als vielmehr ein Gefühl verlorener Identität des Werkes, was besonders für ein ukrainisches Publikum schmerzhaft sein kann. Die Arbeit ist klar auf ein russisches Publikum ausgerichtet. Die Produktion berührt komplexe Themen des kulturellen Erbes, während die Darstellung einer „gemeinsamen Vergangenheit“ als Versuch wahrgenommen werden kann, historische Ereignisse zu rechtfertigen und historische Grenzen zu verwischen.